Svalbard
In isländischen Büchern wird die Entdeckung Spitzbergens im Jahr 1194 erwähnt. Vermutlich waren es Jäger aus Norwegen, Island oder Grönland, die in diese Gebiete kamen. Jedenfalls erreichten am 17. Juni 1596 zwei niederländische Schiffe unter dem Kommando von Willem Barentsz die Nordspitze Spitzbergens. Ihre Mission war die Suche nach der Nordostpassage nach China, weshalb sie sich wohl nicht ganz auf dem richtigen Weg befanden.
QUALFAW-FANG
Im 17. Jahrhundert kamen britische und niederländische Walfänger nach Spitzbergen. Es wurden zahlreiche Küstenstationen errichtet, wo die Wale gehäutet und der Speck zu Lebertran eingekocht wurde. Der Walfang wurde im 1600. und 1800. Jahrhundert fortgesetzt, immer mehr Nationen beteiligten sich daran. Da die Wale nicht mehr an die Küste kamen, wurden Schiffe gebaut, die als schwimmende Walfangstationen dienten.
Winterfang
Ab dem 1700. Jahrhundert betrieben russische Pomoren auf Spitzbergen Landfallen, doch diese Jagd ging im Laufe des 1800. Jahrhunderts zurück und kam um 1850 vollständig zum Erliegen. Etwa zur gleichen Zeit begann in Norwegen die Winterfallenjagd, an der sich erstmals Menschen aus Tromsø und Hammerfest beteiligten. Diese Jagd wurde im Wesentlichen bis zum Schutz des Eisbären im Jahr 1973 fortgesetzt.
TOURISTEN UND WISSENSCHAFTLER
Im 1800. Jahrhundert besuchten auch die ersten Touristen Spitzbergen. Anfangs waren es reiche Herren, die mit ihren eigenen Yachten kamen, später befuhren große Touristendampfer die Route nach Spitzbergen.
SVALBARD ERST IM 1900. JAHRHUNDERT
Um die Jahrhundertwende erlebte Spitzbergen einen regelrechten Boom. Fortan standen die Bodenschätze im Fokus. Zwar war der Abbau von Steinkohle in den Gebieten um Isfjord und Kongsfjord seit dem 1600. Jahrhundert üblich, doch ab etwa 1900 wurden diese Ressourcen völlig anders genutzt. Traditionell gilt der Tromsøer Schiffer Søren Zakariassen als Pionier des Kohlebergbaus auf Spitzbergen. 1899 förderte er 600 Hektoliter Kohle im Isfjordgebiet und verkaufte sie in Tromsø. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Unternehmen, die am Mineralienrausch auf dem Archipel teilnahmen. Die Explorationen endeten meist nach wenigen hektischen Sommermonaten mit einem Loch im Boden und einem kleinen Steg am Strand – und das Abenteuer war vorbei. Unter anderem wurden Kohle, Eisen, Zink, Kupfer und Gold gesucht und entdeckt.
DAS KOHLEABENTEUER IN BRANDAL CITY
Die Robbenjagdindustrie hatte sich 1916 etabliert und verkaufte ihre Produkte in ganz Europa. Mitten im Ersten Weltkrieg herrschte Kohlemangel bei den Robbenfängern. Die Lage war unhaltbar und zwang sie, eine stabile Kohleversorgung sicherzustellen. Sie hatten Kings Bay auf Spitzbergen bereits mehrmals besucht und festgestellt, dass dort Kohlevorkommen vorhanden waren. 1916 erhielt Peter S. Brandal ein Angebot zum Kauf der Rechte in Kings Bay, und für ihn gab es keinen Zweifel mehr. Peter S. Brandal rüstete seine beiden Schiffe „Polaris“ und „Signalhorn“ aus und segelte nach Kings Bay, um die Angelegenheit zu prüfen. Die Expedition war erfolgreich, und sie kehrten mit 300 Tonnen Kohle zurück. Er gab dem Ort den Namen Brandal City. Peter erkannte, wie wichtig schnelles Handeln war, und nach seiner Rückkehr wurden ihm alle Rechte und der Name Brandal City übertragen.

Nach einiger Zeit erkannte er, dass er, um das Vorhaben fortzuführen, weitere unternehmungslustige Leute und mehr Kapital benötigte. Er holte Michael Knutsen – ebenfalls ein Reeder in der Arktis –, den erfahrenen und kompetenten Anwalt Trygve Klausen und Trygve Jervell mit. Die Rechte wurden nun auf ein neues Unternehmen namens Kings Bay Kull Comp. A/S übertragen, und 1925 änderte die Stadt offiziell ihren Namen von Brandal City in Ny-Ålesund. Das Unternehmen betrieb weiterhin Kohlebergbau bis zu dem schweren Grubenunglück von 1962.

DER SVALBARD-VERTRAG
Im Herbst 1918 hatte die norwegische Regierung so viele positive Signale hinsichtlich der Frage Spitzbergens erhalten, dass es von nun an offizielle Politik war, Spitzbergen zu Norwegen zu machen.
Die Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg begann 1919, und hier gelang es der norwegischen Regierung, die Spitzbergenfrage als eigenes Thema einzubringen. Ein wichtiger Punkt war, dass die Siegermächte des Krieges daran interessiert waren, die Territorialstreitigkeiten ein für alle Mal zu lösen.
Norwegen erarbeitete rasch einen Vertragsentwurf, der problemlos angenommen wurde.
Der Archipel steht allen Unterzeichnerstaaten des Vertrags für kommerzielle Aktivitäten offen. Militärische Aktivitäten dürfen auf Spitzbergen nicht stattfinden.
Der Vertrag wurde 1920 unterzeichnet und trat am 14. August 1925 in Kraft. Seit 1925 steht das ehemalige Niemandsland also unter norwegischer Flagge.

