Der Traum wurde gelebt – Eröffnung der Ausstellung Ragnar Thorseth – Das gelebte Leben Teil zwei.
Das Ishavsmuseet Aarvak war am Montag, dem 1. Mai, bis auf den letzten Platz gefüllt.i.
Neben der Saisoneröffnung des Museums wurden auch die Weichen für die große Eröffnung der neuen Ausstellung im Museum gestellt, dem zweiten und letzten Teil von Ragnar Thorseths Ausstellung „Life Lived“.
Während die Besucher ihren Weg zur Ausstellung fanden, spielte das Melshorn Musikensemble wunderschöne Blasmusik als Vorgeschmack auf die große Eröffnungsfeier. Barbro Østrem begrüßte im Namen des Ishavsmuseet alle Anwesenden zum großen Tag. Sie erklärte, das Museum werde ständig renoviert und dieser letzte Teil von „Levd Liv“ sei ein würdiger Abschluss von Ragnar Thorseths fantastischer Geschichte und seinen Expeditionen. Es handele sich um beachtliche Leistungen, die in der Ausstellung ansprechend und professionell präsentiert würden.
Harald Stanghelle, Politikredakteur der Aftenposten und ein guter Freund Thorseths, leitete die offizielle Eröffnung. Er freute sich sehr, dass Ragnar sich der Tradition anschließt, die im Museum weitergeführt wird. Ragnar ist und war schon immer ein Individualist, der seinen eigenen Weg geht – als Expeditionsleiter, Polarforscher, Abenteurer, Journalist und als Sunnmøring. Seine Expeditionen haben einen individuellen Charakter und einen individuellen Ausgangspunkt, aber sie alle verbindet eines: Abenteuerlust, das Überwinden von Grenzen und der Beweis, dass scheinbar Unmögliches möglich ist. Stanghelle hob die Saga Siglar als wissenschaftlich bedeutendste Expedition hervor. Die Saga Siglar war die erste Rekonstruktion von Handelsschiffen aus der Wikingerzeit und zeigte, dass die Überquerung der Weltmeere möglich war. Neben seinem ausgeprägten Abenteuergeist besitzt Thorseth auch ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Er hat Expeditionen mit Jubiläumsjahren und nicht zuletzt mit Umweltgipfeln verknüpft und so dazu beigetragen, historische Ereignisse für jüngere Generationen sichtbar zu machen.
Stanghelle nannte Thorseth eine realistische Vision. Er hat viele Widrigkeiten überstanden, ist aber widerstandsfähig. Er hat bewiesen, dass solide Vorbereitung zum Erfolg führt. 1969 war Ragnar 21 Jahre alt und wollte nach Shetland rudern. Es war seine erste Expedition und in vielerlei Hinsicht ein Vorbote seiner Zukunft. Die Expedition prägte sein Leben, das heute im Museum dargestellt wird, maßgeblich. Die Ruderreise war ein Traum, eine Idee, aber auch der Beweis dafür, dass Thorseth eine Brücke zwischen Traum und Wirklichkeit schlug. 500 Jahre nachdem die Shetlandinseln an Großbritannien abgetreten wurden, begrüßte die britische Königin Ragnar bei seiner Ankunft am Kai. Sie sagte nur eines: „Du bist verrückt!“ Heute bedauert er, nicht geantwortet zu haben: „Man muss ein Narr sein, um einen Narren zu erkennen.“ Doch Stanghelle betont die Bedeutung der erfolgreichen Shetland-Expedition: Ragnar Thorseth war einer der wenigen, die die Kraft hatten, sie durchzuführen. Sein Wille war der Grundstein. Und nun ist der Ringkampf vorbei, Ragnar ist heimgekehrt. Er darf bei der Eröffnung seiner eigenen Ausstellung im Museum mitwirken und reiht sich damit in die Riege norwegischer Legenden ein, gleichrangig mit Thor Heyerdahl. Thorseth gehört zu den wenigen, die das Mögliche in der Fantasie und das Wunderbare im Praktischen erkennen können. Hier im Ishavsmuseet kann man diesen Traum gelebt sehen. Stanghelle hofft, dass die Ausstellung andere inspirieren kann, insbesondere junge Menschen, die Träume brauchen. „Wir brauchen den Traum“, sagt Harald.
Der Bürgermeister der Gemeinde Hareid, Anders Rise, war ebenfalls bei der Eröffnung anwesend. Er dankte Thorseth für die Wahl des Ishavsmuseet als Ausstellungsort, was der Gemeinde viel bedeute. Mit dieser Ausstellung beweise er, dass das Museum nationale Bedeutung für die Polargeschichte habe. Rise überbrachte außerdem eine Grußbotschaft der ehemaligen isländischen Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir, die Ragnar während der Gaya-Expedition gemeinsam mit Königin Sonja tatkräftig unterstützt hatte.
Eine so umfangreiche Ausstellung wie „Levd Liv“ braucht erfahrene und engagierte Mitarbeiter, die sie professionell und authentisch umsetzen. Das Unternehmen Medicine Head, unter der Leitung von Trond Nordahl, hat die Ausstellung konzipiert. Trond erzählt, dass er anfangs sehr skeptisch war. Es fehlte an Geld, und Thorseth selbst sollte die Organisation übernehmen. Nach ein paar Tagen erhielt Trond ein Paket von Ragnar: dessen Buch „Der letzte Wikinger“. Darin stand: „Trond Nordahl, lies und lerne. Ragnar.“ Kurz gesagt: Nach zwei Tagen hatte er das Buch durchgelesen und war überzeugt. Kurze Zeit später zog er zu Thorseth, um sich intensiver mit dem Abenteurer auseinanderzusetzen.
Ragnar Thorseth, der heutige Protagonist, sagt, die Vorbereitungen für die Ausstellung seien fast wie eine Reise zurück in die Zeit der Expedition gewesen. Er fühlt sich im Ishavsmuseet wie zu Hause. Doch es war kostspielig, und die Finanzierung war nicht immer einfach. Viele hätten gesagt, sie würden Kinder und Jugendliche bevorzugen, aber Thorseth ist überzeugt, dass diese Ausstellung gerade für sie gedacht ist. Er hofft, dass viele inspiriert werden und seine Geschichte zum Träumen anregt. Man solle keine Angst haben, hinauszugehen und zu träumen. Aber man müsse nicht gleich zum Nordpol reisen, lächelt Ragnar.

