Polarabend, Freitag, 2. November, 19:00 Uhr
Fang von lebenden Eisbären.
Am kommenden Freitag beschließt das Ishavsmuseet seine lange Reihe von Polarabenden. Diesmal ist Burny Iversen zu Gast und hält den Vortrag „Fang und Verkauf lebender Eisbären“. Iversen beschäftigt sich seit Langem mit dieser Geschichte und hat sich einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Fangs lebender Eisbären vom Ende des 1800. Jahrhunderts bis zu ihrem Schutzstatus 1973 verschafft. Im Ishavsmuseet gibt Iversen Einblicke in den Handel mit lebenden Eisbären und deren Schicksal in Zirkussen und Zoos. Wer verkaufte sie? Wer kaufte sie? Wer trainierte sie? Und wofür wurden sie trainiert?
Burny Iversen stammt aus Elverum, ist Fotograf und arbeitete unter anderem im Glomdal Museum. Er hegt ein großes Interesse an den Polarregionen. Während manche Rentner nach Spanien reisen, um die Wärme zu genießen, zieht es Burny Iversen nach Spitzbergen, immer auf der Suche nach einem guten Fotomotiv. Eisbären sind für einen Fotografen auf Spitzbergen ein gefundenes Fressen, und er hat bei seinen vielen Besuchen dort schon einige Schnappschüsse dieser Tiere gemacht.
Er hat eine beeindruckende Sammlung alter Postkarten, Fotografien und Zirkusprogramme zusammengetragen, die die Realität dokumentieren, der der Eisbär auf seinem Weg von der weißen Wildnis zum Leben in der Zirkusmanege, auf Tourneen und im Zoo begegnet.
Das Thema dürfte viele in Sunnmøre interessieren, und es gibt hier immer noch viele, die an der Jagd auf lebende Eisbären beteiligt waren. In unserer Gegend kursieren viele haarsträubende Geschichten über Eisbären, die lebend nach Hause gebracht und dort in Käfigen auf den Deichen gehalten wurden, bis sie verkauft werden konnten. Einige schafften es, die Käfige zu durchbrechen und ins Meer zu springen, oder man konnte sie auf den Deichen und sogar am Kai herumstreifen sehen, wenn die Fähre anlegte. Kein Wunder also, dass die Leute, die mit dem Bus aus Larsnes kamen, ungeduldig darauf warteten, die Fähre von Brandal zu nehmen…
Bereits im Jahr 1900 trafen die ersten lebenden Eisbären in Brandal ein. Die kleinen Schiffe „Minna“ und „Havfruen“, beide etwa 17 Meter lang, brachten in jenem Jahr zehn lebende Eisbären (und 70 tote) zurück. Bevor sie nach Brandal zurückkehrten, veranstalteten sie in Ålesund eine Ausstellung mit lebenden Eisbären und Moschusochsen. Als die Stadt Ålesund 1948 ihr Jubiläum feierte, wurde eines der Schiffe beauftragt, einen lebenden Eisbären für die Feierlichkeiten nach Brandal zu bringen. Lebende Eisbären mitzubringen war für die Besatzung recht üblich, wenn sich die Gelegenheit bot, und konnte bei schlechter Robbenjagd ein willkommenes Zusatzeinkommen darstellen. 1902 konnten sie bis zu 500 Kronen für einen lebenden Eisbären erhalten, während sie für ein Robbenfell 36 Øre und für Speck etwa den gleichen Betrag bekamen.
Nach Iversens Vortrag wird wie gewohnt das Abendessen im Café serviert. Heute Abend stehen Robbe, Hering und Suppe auf dem Speiseplan, genauer gesagt Robbenfleischpasteten, Heringskuchen und Milchsuppe. Eine Anmeldung zum Essen ist erforderlich.

