Enos

Andere NamenInga
Eigentümer1903 John Hauge
1915 Berner Garvik, Espevær
1918 Espevær Fang- und Fischereiunternehmen, Espevær (B. Garvik)
1922 P/R Enos (Sigve Øritsland), Espevær
1928 Ole Rødseth und Andreas Klungsøyr, Tjørvåg
SchiffstypRobbenjäger
Reg. MarkeH 22 BO (1922)
M 23 HØ (1928)
HeimathafenHeroy
BaustelleHalsenoy
Baujahr1903
Baustoffedrei
Länge, Baujahr57,5 Fuß
Längenmessungen nach der Umrechnung75,5 Fuß 1917
Abmessungen in Breite, Baujahr18,6 Fuß
Breitenangaben nach der Umrechnung19,3 Fuß 1917
Abmessungen in der Tiefe, Baujahr6,6 Fuß
Tiefenmessungen nach der Rekonstruktion8,3 Fuß 1917
Tonnage36,87 BRT 1903
79,28 BRT 1917
82 brt
Maschine, OriginalSiegel
Maschine, neu1915 unbekannt, 75 PS – 1918 Wichmann 80 PS
KapitäneGeorg Gjetvik (1918)
Nilsen (1923)
Ole Rodseth
Rekonstruktionswerft1917 Erweitert und umgebaut für die Robbenjagd auf der Nordoddens-Werft in Arendal
SchiffbruchAm 21. April 1931 nach einer Kollision mit einer Eisscholle im Westeis strandete.
Ergänzende Angaben

Das Schiff wurde 1917 für die Robbenjagd wiederaufgebaut und unternahm 1918 seine erste Jagd. Nach zweieinhalb Monaten kehrten sie mit 850 Robben zurück. Keine besonders erfolgreiche Reise, doch dann mussten sie wegen Proviantmangels abbrechen.

1930 erhielt die „Enos“ einen ungewöhnlichen Auftrag. Die amerikanische Regierung wollte versuchen, Moschusochsen in Alaska wieder anzusiedeln, um die dort ausgerottete Population zu ersetzen. Osvald Lillenes mit der „Sælbarden“ und Ole Røtseth auf der „Enos“ wurden damit beauftragt. Sie fingen 37 Moschusochsen in Myggbukta und Claveringsfjorden in Nordostgrönland. Zwei Tiere starben bei der Überfahrt und eines am Kai in Tjørvåg. Die verbleibenden 34 Tiere wurden in Kisten verpackt und mit der „Enos“ nach Bergen und von dort mit der „Bergensfjord“ weiter in die USA transportiert. Nach weiteren Transporten per Bahn und Schiff wurden sie schließlich in einer Forschungsstation in College, Alaska, freigelassen. Dort wurden mehrere Moschusochsen von Eisbären getötet, woraufhin die Population nach Nunivakøya in der Beringstraße umgesiedelt wurde. Der Moschusochse gedieh hier prächtig, und bis 1968 war die Population auf 750 Tiere angewachsen.

Schiffbruch

Das Schiff M/S "Enos" sank am 21. April 1931 in der Vesterisen. Das Schiff war in Tjørvåg unter der Partsrederiet Enos stationiert.

Der Kapitän war der 40-jährige Ole Rasmus Andreas Røtseth aus derselben Stadt. Er war auch Miteigentümer des Schiffes.

Die Seerechtserklärung fand am 21. Mai 1931 in Ålesund unter der Leitung des stellvertretenden Richters Einar Jacobsen statt. Die Seerechtsexperten waren Arthur Fr. Brevig und Jon O. Nordstrand.

Die vollständige Erklärung des Seemanns ist unten wiedergegeben, mit Ausnahme der Aussagen zweier Zeugen. Diese gaben im Wesentlichen dieselben Aussagen wie die übrigen Zeugen ab.

Zusätzlich zur Seeerklärung ist es vielleicht interessant, die ursprüngliche, handschriftliche Liste der Besatzung zu lesen, die dem Kapitän übergeben wurde, als diese sich weigerte, mit der „Enos“ nach Hause zurückzukehren.

Ausdruck des Gerichtsbuchs für das Stadtgericht Ålesund

Am 21. Mai 1931 fand die Gerichtsverhandlung im Rathaus statt.

Richter: D.fm. Einar Jacobsen.

Gerichtszeugen, Schifffahrtsexperten: 1. Arthur Fr. Brevig, 2. Jon O. Nordstrand, die beide bereits zuvor Versicherungen ausgestellt haben und beide kompetent sind.

Fall Nr. 36/31 – D.

Der Fall betrifft: Seerechtliche Erklärung im Zusammenhang mit dem Untergang des Schiffs M/S "Enos" in der Vesterisen am 21.4.1931.

Anwesend: Der Kaskoversicherer der M/S „Enos“, Søndmøre Gjensidige Assuranceforening für Ishavsfartøier durch Direktor Meldahl, der Schiffsinspektor durch Johansen Aspelund und „Partrederiet Enos“ durch den Kapitän der „Enos“ Ole Røtseth.

Ole Rasmus Andreas Røtseth, 40 Jahre alt, wohnhaft in Tjervaag, Kapitän und Miteigentümer des Schiffs M/S „Enos“, wurde wegen einer falschen Aussage verwarnt und für diese verantwortlich gemacht. Er legte Auszüge aus den Gerichtsakten vor, die im Gericht verlesen wurden und die er als korrekt und als seine Erklärung in dem Fall akzeptierte.

Der Auszug aus der Krankenakte ist abgelegt:

Auszug aus dem Tagebuch.

 Montag, 20. April. Windstille, leichter Seegang aus Südwesten, Fahrt Richtung Westen durch loses Eis. Um 6 Uhr morgens erlitt das Schiff einen heftigen Ruck. Der zweite Kanonier, der im obersten Geschütz Wache gehalten hatte, erklärte mir, als ich an Deck kam, dass er nicht bemerkt hatte, dass ein anderer Mann ans Ruder gekommen war, und dass es sich um ein Missverständnis handelte. Das Schiff fuhr mit hoher Geschwindigkeit auf einer großen Eisscholle.

Sobald das Missverständnis bemerkt wurde, wurde das Schiff nach achtern beordert, und die Maschine lief achtern, bevor das Schiff auf das Eis auflief. Der Ingenieur warnte wenig später, dass er das Schiff mit den Pumpen der Maschine allein nicht über Wasser halten könne und die Deckpumpe in kurzen Abständen einsetzen müsse. Daraufhin beschloss ich, nach Hause zurückzukehren und gab den Befehl, sich nach Süden und Südwesten aus dem Eis zu befreien. Wir lagen die Nacht über still, zusammen mit der Seal. Der heutige Fang betrug 57 Tiere. Der Gesamtfang beläuft sich nun auf 1648 Tiere. Dienstag, 21. April. Windstille. Um 9 Uhr morgens waren wir dem Eisrand recht nahe gekommen, als ich folgenden Brief der gesamten Besatzung erhielt: „Die unterzeichnende Besatzung der M/S Enos weigert sich entschieden, nach dem Leck des Schiffes mit der Enos nach Hause zu fahren. Milliam Pedersen, Petter Jarnes, Karl Holthe, Erling Nilsen, Håkon Støylen, Johan Vidnes, Hans Sævik (Assistent), Hilmar Løvlid, Sigmund Johansen, Joakim Fugledal, Ole J. Sandvik (Ingenieur), Einar Kleppe (Steward).“

Wir hissten daraufhin die Flagge, um die Sælbarden, die weiter im Eis lag, herbeizurufen. Als sie am Ufer angekommen war, fragte ich den Steuermann der Sælbarden, ob er Enos bei der Heimfahrt helfen würde. Er fuhr dann mit seinem diensthabenden Kanonier im Boot los, um sich die Schäden genauer anzusehen. Die Schäden waren so groß, dass es trotz Unterstützung unmöglich schien, das Schiff an Land zu bringen, weshalb er keine Hilfe leisten wollte. (Schaden) Der Bug war eingeschlagen, und auf beiden Seiten des Bugs gab es ein starkes Leck. Die Steuerbordseite wies achtern Schäden am Bug auf. Es ist möglich, dass das Schiff mehr Schaden erlitten hatte, als wir annahmen, als es am 4. April bei starkem Seegang und frischem Wind im Eis feststeckte und große Schwierigkeiten hatte. Das Schiff lag danach etwas in Seenot. Das Leck befindet sich vermutlich im Rumpf, aber nicht mehr als die Maschinenbilge, die das Schiff bei geringer Geschwindigkeit über Wasser hielt. Um 030 Uhr stellten wir das Pumpen ein, und um 920 Uhr sank das Schiff, nachdem es bei 73 Grad 18 Minuten nördlicher Breite und 12 Grad westlicher Länge getroffen worden war.

Ich kann meiner Mannschaft ihre Handlungen nicht vorwerfen, da das Schiff ein so großes Leck in der Bilge hatte, dass die Heimreise lebensbedrohlich gewesen wäre.

Als die Enos sank, befanden sich alle Männer an Bord der Sælbarden.

Tjervåg am 18. Mai 1931. Skipper Ole Røtseth.

Vorgelegt vor dem Stadtgericht Ålesund am 21. Mai 1931

  1. Jacobsen, d.f.m.

 

Der Tagebuchauszug wurde mit dem von ihm vorgelegten Schiffslogbuch verglichen und stimmte mit diesem überein.

Er erklärt, dass der Schiffsname „Enos“ lautet und das Schiff der Reederei Pertsrederiet Enos mit Sitz in Tjervåg gehört. Der Zeuge (d. h. Kapitän Røtseth, der eine Aussage macht) legte das Schiffszeugnis der M/S „Enos“ vor, demzufolge die Größe des Schiffes 82 Bruttoregistertonnen und 29 Nettoregistertonnen beträgt. Das Schiffszeugnis ist bis Februar 1933 gültig. Es weist außerdem aus, dass das Schiff 1903 in Halsenø gebaut wurde und das Rufzeichen MP.SL trägt.

Der Zeuge (Røtseth) erklärt, dass sich das Schiff bis zum 4. April in einwandfreiem Zustand befand, als es im Eis festsaß. Das Schiff verließ Ålesund am 28. Februar dieses Jahres mit Ziel Weißes Meer, nahm aber nach der Ankunft in Tromsø Kurs auf das Westeis. Dort erreichte es am 15. März das Westeis. Auf dem Westeis ereignete sich das Unglück. Der Zeuge befand sich zum Zeitpunkt des Aufpralls nicht an Deck und kann daher, abgesehen von den Angaben im Tagebucheintrag, keine weiteren Angaben zum Grund für das Festfahren auf die Eisscholle machen. Er erklärt, dass vermutlich 700 bis 800 Tiere gerettet und an Bord der „Sælbarden“ gebracht wurden. Außerdem wurden vermutlich zwei bis drei Gewehre und ein Fernglas, einschließlich des Oberfernglases, an Bord gebracht. Die Besatzung konnte vermutlich den Großteil ihrer Kleidung retten, doch blieb die gesamte Kleidung an Deck der „Sælbarden“ zurück, da anderswo auf dem Schiff kein Platz mehr war, und wurde dort zerstört. Die Besatzung der M/S „Enos“ befand sich an Bord der „Sælbarden“ für die restliche Zeit, die das Schiff in der Vesterisen-Bucht verbrachte, um dort anzulanden. Von dort legte die „Sælbarden“ am Montag, dem 11. Mai, ab, soweit sich der Zeuge erinnert, und erreichte Ålesund am Dienstag, dem 19. Mai.

Gelesen und angenommen.

 

Die Zeugen wurden vorgeladen, ermahnt und für ihre falschen Aussagen zur Rechenschaft gezogen, woraufhin sie ihre Aussagen vorübergehend widerriefen.

Als erster Zeuge trat auf: Petter Severin Jarnes, 21 Jahre alt, wohnhaft in Tjervåg, war zweiter Bordschütze auf der M/S "Enos" und hatte kein finanzielles Interesse an dem Fall.

Der Zeuge erklärt, er habe sich im oberen Teil des Schiffes befunden, als es zum Zusammenstoß kam. Er habe dem Steuermann befohlen, eine Eisscholle zu berücksichtigen. Dieser habe den Befehl wiederholt, dabei aber das linke Ruder zu stark betätigt. Daraufhin habe der Zeuge einen Kurswechsel angeordnet. Der Steuermann habe diesen Befehl mit dem rechten Ruder ausgeführt. Der Zeuge habe daraufhin erneut das linke Ruder betätigt, doch eine Kollision mit der Eisscholle sei nun unvermeidbar gewesen, da das Schiff zu nahe gekommen war. Der Zeuge habe daher die Maschine nach achtern befohlen, und dieser Befehl sei sofort ausgeführt worden. Der Zeuge ist überzeugt, dass der Unfall dadurch verursacht wurde, dass der Steuermann auf seinen Befehl hin für einen Kurswechsel das rechte Ruder betätigt hatte. Der Zeuge kann sich nicht erinnern, ob der Steuermann seinen Befehl für einen Kurswechsel wiederholt hat, geht aber davon aus, dass dieser ihn gehört hat, als er die Kursänderung bemerkte. Der Zeuge ist überzeugt, dass der Steuermann, der sich auf der Brücke befand, einen vollständigen Überblick über das Wasser vor dem Schiff hatte, wo sich die Eisscholle befand. Der Steuermann war Sigmund Johansen. Der Zeuge erklärt, dass zum Zeitpunkt der Kollision klares Wetter herrschte. Im Übrigen gab er seine Schilderung gemäß dem dem Hafen vorgelesenen und von ihm als korrekt akzeptierten Tagebuchauszug wieder. Bezüglich der an Bord der „Sælbarden“ geretteten Gegenstände gibt der Zeuge an, dass mehrere Tiere gerettet wurden, ohne jedoch eine genaue Zahl nennen zu können. Außerdem wurden Ausrüstung der Besatzung, zwei Fischerboote und möglicherweise einige Gewehre gerettet. Ob Ferngläser gerettet wurden, konnte der Zeuge nicht sagen. Die gerettete Ausrüstung wurde mangels Platzes an Deck der „Sælbarden“ gelagert, wo sie fast vollständig durch Feuchtigkeit zerstört wurde.

Gelesen und angenommen.

 

(Die zweiten und dritten Zeugen werden hier nicht aufgeführt, da es zahlreiche Aufzeichnungen dessen gibt, was zuvor gesagt wurde. Anm. d. Red.)

Die Zeugen schwiegen. Die Verhandlung wurde vertagt.

Arthur Fr. Brevig. d.fm. Jon O. Nordstrand